Projekt Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde

Projektziele

  • Rinderherde auf den ehemaligen Rieselfeldern östlich von Buch

  • Reste eines alten Hutewaldes

  • Koniks in der halboffenen Landschaft

  • Führung in den Rieselfeldern wetlich von Hobrechtsfelde

  • Das Feuchtgebiet Rohrbruch als Quelle des Lietzngrabens

  • Das Projektgebiet aus der Luft

  • Naturschutzgebiet Schönower Heide

  • Der Bogensee östlich von Berlin-Buch

Der jahrzehntelange künstliche Wasserreichtum um Hobrechtsfelde ist heute, über 20 Jahre nach Einstellung der Berieselung, einem spürbaren Wassermangel gewichen. Verstärkt wird dieser Mangel, weil noch immer Wasser durch die Gräben und Drainagen der ehemaligen Rieselfelder abgeführt wird. Der Landschaftswasserhaushalt kann sich nicht normalisieren. Durch den Rieselfeldbetrieb wurden viele Schadstoffe im Boden gebunden, die nun mit dem Abbau der sie bindenden organischen Substanz freigesetzt werden und das Bodengefüge und Bodenleben stören. Die vielfachen, nur teilweise erfolgreichen Aufforstungen haben ein bemerkenswertes Landschaftsbild mit hoher Strukturvielfalt entstehen lassen. Die damit einhergehende hohe Grenzliniendichte ist einerseits von besonderer Bedeutung für den Artenschutz, andererseits ist die abwechslungsreiche Landschaftsstruktur attraktiv für viele Erholungssuchende.

Vor diesem Hintergrund werden mit dem vom Bundesamt für Naturschutz, dem Land Berlin, dem Naturschutzfonds Brandenburg, dem Landkreis Barnim und dem Förderverein Naturpark Barnim e. V. geförderten Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde“ drei wesentliche Ziele verfolgt:

 

  • Extensive Beweidung: Erprobung einer großflächigen extensiven Beweidung mit robusten Rindern und Pferden unter Berücksichtigung der besonderen Situation auf den ehemaligen Rieselfeldern. Zur Förderung der Biodiversität sowie der Waldentwicklung in einem großstadtnahen, halboffenen Erholungswald.

  • Erhöhung der Grundwasserneubildung durch Waldumbau: Zwischen dem Gorinsee und der Wildtierbeweidung, im sogenannten „Wasserwald“ der Schöner Heide wird ein Beitrag zu Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes geleistet. Dies erfolgt durch einen zügigen Umbau dichter, gleichförmiger Kiefernbestände in lichte Mischwälder mit zahlreichen Laubbäumen wie Eichen, Buchen, Linden und Ahorn.
  • Zusätzliche Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes werden durch Begleitprojekte umgesetzt. Dazu zählen die Berliner Umweltentlastungsprogramme I+II – „Entwicklungsmaßnahmen in den Schutzgebieten Bogenseekette / Lietzengrabenniederung Bucher Forst“ sowie das Projekt „Hobrechtsfelde Nord“ des Wasser- und Bodenverbandes „Finowfließ“.

  • Besucherlenkung und Umweltbildung: Schließlich geht es darum, den Besuchern diesen neu entstehenden Landschaftstyp nahe zu bringen sowie die Erholungs- und Erlebnisqualität  der halboffenen Waldlandschaft zu verbessern. Wege durch die zugänglichen Weideflächen werden angeboten, Wegweiser und Informationstafeln aufgestellt. Auf dem ehemaligen Gutshofgelände in Hobrechtsfelde entsteht ein Besucherzentrum mit Schaugehegen, einem begehbarer Kornspeicher mit Aussichtspunkt und einer Ausstellung zu den Themen Waldweide, Landschaftsgeschichte, Naturschutz und Forstwirtschaft. Dazu werden Führungen angeboten und weitergehende Umweltbildungsangebote entwickelt.

 

Jahrhundertelang waren halboffene Waldlandschaften wie etwa der Hutewald als Weideraum Bestandteil der bäuerlichen Landwirtschaft und wurde als Almende von der Dorfgemeinschaft genutzt. Mit der Industrialisierung sowie der Trennung von Forst- und Landwirtschaft Mitte des 19. Jahrhunderts verschwand dieser Landschaftstyp. Zahlreiche Arten der Offen- und Halboffenlandschaft stehen daher heute auf den „Roten Listen“. Während es kleinere Beweidungsprojekte bereits an verschiedenen Orten in Deutschland gibt, betreten die Beteiligten Berliner und Brandenburger Förster und Naturschützer hier gemeinsam Neuland. Eine extensive großflächige Beweidung sah die moderne Forstwirtschaft bislang nicht vor. Flächen mit verschiedenem Pflanzenbewuchs, unterschiedlicher Baumbestockung sowie Nährstoff- und Wasserversorgung werden durch die dynamischen Prozesse der Beweidung weiterentwickelt.

Neuartig ist auch die intensive Verzahnung von Erholungsnutzung und extensiver Waldweide. Erstmalig wird in Deutschland in großem Umfang die Möglichkeit erprobt, Besucher direkt über die Weideflächen zu führen. Durch das unmittelbare Erleben halboffener Landschaftsstrukturen mit verschiedenen Pflanzen, Weide- und Wildtieren soll die Wertschätzung von Natur und Landschaft bei Erholungssuchenden, Sportbegeisterten und Touristen erhöht werden.

Naturschutz, Forstwirtschaft und Naherholung gehen im Projekt Hand in Hand. Diese neue Qualität der Zusammenarbeit am Beispiel der Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde zu bewerten und für ähnliche Projekte aufzubereiten, ist die Aufgabe der wissenschaftlichen  Begleitung des Vorhabens durch die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde.