Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben
Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde

wird finanziert von folgenden Projektförderern:

          

Robuste Rinder und Pferde in einer halboffenen Waldlandschaft vor den Toren Berlins

Mit dem Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde“ wird ein neuer Weg beschritten in dem sich Naturschutz, Forstwirtschaft und Naherholung gegenseitig Fördern und Ergänzen sollen. Es wird vom Bundesamt für Naturschutz, dem Land Berlin/ Berliner Forsten, dem Naturschutzfonds Brandenburg und weiteren Partnern geförderte. Dieses Vorhaben mit einer fünfjährigen Laufzeit von April 2011 bis März 2015 und einem Volumen von rd. 2,9 Mio. Euro wird durch den Projektträger Förderverein Naturpark Barnim e. V.  und weiteren Partnern umgesetzt.

Auf einer beweideten Gesamtfläche von rd. 830 Hektar soll sich, unterstützt durch den Fraß und Tritt von robusten Rindern und Pferden, eine artenreiche und halboffene Waldlandschaft entwickeln. Sie bietet Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten, die auf Grenzlinien zwischen Wald und Offenland angewiesen und daher gefährdet sind, wie z. B. Neuntöter (Lanius collurio), Wendehals (Jynx torquilla) und Hirschkäfer (Lucanus cervus). Gleichzeit soll auch eine zielgerichtete Waldentwicklung mit Unterstützung der Berliner Forsten möglich sein. Dabei ist die Flächenauswahl, die Weidetierzahl, deren zeitliche Konzentration und Steuerung eine besondere Herausforderung die es zu erproben gilt.

Für Erholungssuchende und Touristen entsteht ein abwechslungsreiches Landschaftsbild, dessen Erlebnisangebote, Dynamik und Artenvielfalt mit den Jahren immer reizvoller werden soll.

  • Konikherde bei ihrer Ankunft an den Karower Teichen
  • Robustrinderherde nahe der Bogenseekette

Eine Besonderheit im Naturpark Barnim stellen die Rieselfelder um Hobrechtsfelde östlich der Gemeinde Panketal dar. Sie wurden unter der Leitung von James Hobrecht (1825 – 1902) angelegt, der als Stadtbaurat das Entwässerungssystem für Berlin entwarf. Die Stadt Berlin nutzte gut 100 Jahre die Sandböden am Rande der Barnimer Hochfläche zur Filterung ihrer Abwässer. Sie wurden hierher an den Stadtrand gepumpt, vorgeklärt und dann auf Rieselbecken geleitet, um langsam im Boden zu versickern. Rieseltafeln die gerade nicht mit Wasser bespannt waren, wurden mit Gemüse, Getreide oder Gras bestellt und als Weideflächen  genutzt. Von der einst ertragreichen landwirtschaftlichen Nutzung der Rieselfelder zeugt noch heute das ehemalige Berliner Stadtgut Hobrechtsfelde mit seinem imposanten Speicher und dem denkmalgeschützten Dorfensemble.

Etwa ab 1960 nahmen die Wassermengen und auch Schadstoffe immer mehr zu, sodass die meisten Rieseltafeln erhöht und dauerhaft mit Abwasser bespannt waren. Die vor allem im Süden, Osten und Norden Berlins angelegten Rieselfelder roch man zu dieser Zeit schon von Weitem. Der Anbau von Landwirtschaftsgütern für Ost- und West-Berlin war auf diesen Flächen nun nicht mehr möglich.

1985 wurde der Rieselbetrieb um Hobrechtsfelde eingestellt und durch das neue Klärwerk Schönerlinde übernommen. Die Wälle um die einzelnen Rieselfelder sind eingeebnet und große Teile der Rieselfeldlandschaft anschließend mit über 50 verschiedenen Baumarten aufgeforstet worden. Das ambitionierte Ziel war es innerhalb von nur zwei Jahren einen rd. 1.500 ha großen neuen Erholungswald im Norden der Hauptstadt anzupflanzen.

Verschiedene Gründe, u. a. die unterschiedlichen Bodenbelastungen und die nicht umgesetzte Bewässerung, führten in der Folge zu hohen Ausfällen bei den gepflanzten jungen Bäumen. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit eine selten gewordene halboffene Landschaft mit unterschiedlichen trockenen bis feuchten Lebensräumen sowie zahlreichen Tier- und Pflanzenarten.

  • Der alte Rieselkornspeicher mit Werkstattanbauten auf dem Gutshof Hobrechtsfelde
  • Ansicht vom Aufbau der Rieselfelder

  • Pferdegespann beim Pflügen eines Hobrechtsfelder Rieselfeldes um 1960
  • Frauen bei der Arbeit auf einem der Rieselfeld

  • Intensivfiternutzung der Rieselfelder um 1980
  • Nach der Silllegung der Hobrechtsfelder Rieselfelder 1985

  • Laubbaumpflanzung auf den ehemaligen Rieselfeldern 1986
  • Aufgeforstetes Rieselfeld 1987

Bis heute wird unter der Regie der Berliner Forstverwaltung zusammen mit dem Naturpark Barnim und weiteren Partnern daran gearbeitet diesen sensiblen und wertvollen Lebens- und Naherholungsraum zu erhalten und weiterzuentwickeln. Ziel ist ein arten- und abwechslungsreicher halboffener Erholungswald.

Lage des Projektgebietes Rieselfeldlanschaft

Die Rieselfeldlandschaft erstreckt sich über den Norden des Berliner Bezirkes Pankow und Teile der Gemeinden Panketal und Wandlitz sowie der Stadt Bernau in Brandenburg. Das Projektgebiet ist weitestgehend identisch mit dem ca. 2.000 ha großen Wassereinzugsgebiet des Lietzengrabens zwischen dem Berliner Stadtteil Karow im Süden und dem Quellgebiet „Rohrbruch“ in der Schönower Heide im Norden. Die Karower Teiche und der Bucher Forst südlich von Hobrechtsfelde, sowie die Wälder der Schönower und Basdorfer Heide nördlich davon, sind weitere wesentliche Projeträume mit verschiedenen Teilvorhaben.

In westlicher Nachbarschaft zum Projektgebiet liegen die „Gesundheitsregion Berlin-Buch“, ein medizinischer Klinik- und Forschungskomplex von europäischem Rang, und dichtbesiedelte Wohngebiete wie Panketal und Brelin-Pankow. Viele Menschen nutzen daher diese abwechslungsreiche Landschaft der Rieselfelder um Hobrechtsfelde zur Naherholung. Mit dem Vorhaben wird die Erlebnisqualität dieser Landschaft weiter verbessert.

Gebietskarte

Die nachfolgenden Seiten geben Ihnen einen umfassenden Einblick in die Ziele des Vorhabens, berichten über das bereits Erreichte und stellen all die Partner vor, mit denen wir das Projekt umsetzen.

Mit den vorgesehenen Arbeiten wurde im April 2011 begonnen, im Frühjahr 2015 soll das Hauptvorhaben abgeschlossen sein. Eine weitere Entwicklung der Flächen wird angestrebt.